Aqualytis – Leben im Wasser
Die Kollektion „Aqualytis – Leben im Wasser“ wurde von der Art und Design, Wenzel und Wicke GbR, Königs Wusterhausen entworfen. Der Maler und Designer Helmut Wenzel ließ sich durch mikroskopische Fotoaufnahmen von den Formen und Farbe der Kleinstwassertiere faszinieren und hat diese Faszination künstlerisch umgesetzt. Die Berliner Malerin Renée König hat sich ebenfalls fotografisch immer wieder mit dem Thema „Wasser“ auseinandergesetzt und dazu hier fünf Bilder beigesteuert. Diese stellen exemplarisch dar, wo wirbellose Wasserbewohner leben und wie sie im Labor mikroskopisch nachgewiesen werden.
» Tanzpaar «

Springwasserfloh (Diaphanosoma brachyurum)
Diaphanosoma brachyurum ist eine typische Form des Teich- und Weiherplanktons. Die Damen (Männchen kommen nur selten vor) leben überwiegend im Freiwasser, können dort auf Grund ihres geringen spezifischen Gewichtes im Wasser regelrecht schweben oder unternehmen ausgedehnte Vertikalwanderungen.
Diaphanosoma gehört zu den Mikro-Filtrierern. Mit Hilfe der zu Filterapparaten umgebauten Beinpaare werden kleine Algen, Bakterien und feine Partikel aus dem Wasser gefiltert und als Nahrung aufgenommen.
Diaphanosoma gelangt nur unfreiwillig über das Rohwasser in die Trinkwasseraufbereitung und hat hier auf Grund der an das freie Wasser angepassten Lebensweise keine Überlebenschance. Die Anwesenheit erklärt jedoch die Herkunft des in der Trinkwasseraufbereitung verwendeten Rohwassers als oberflächennah bzw. als Uferfiltrat.
» Wunderwelt «

Wasserfloh (Daphnia)
Daphnien können über das Rohwasser (Uferfiltrat oder Oberflächenwasser) in die Trinkwasseraufbereitung gelangen und sind auf Grund ihrer Lebensweise weder in den Filtersystemen noch in der Trinkwasserverteilung (Rohrleitungen) überlebensfähig. Eine Ausnahme können Reinwasserbehälter darstellen, wenn durch Verwirbelungen genügend Partikel (Bakterien) ins „Freiwasser“ gelangen und damit ein Überleben möglich wird.
Das Bild „Wunderwelt“ zeigt eine Daphnia aus dem Uferfiltrat – sie ist offensichtlich von der unfreiwilligen Reise durch den Bodenkörper etwas mitgenommen.
Das Wissen um die Lebensweise und den natürlichen Lebensraum der in der Trinkwasseraufbereitung und -verteilung nachgewiesenen Tiere sagt viel über die Herkunft des Rohwassers und somit über erforderliche Aufbereitungs-
strategien aus.
» Analyse mit dem Mikroskop «

Die meisten Tiere sind wirbellos. Von weltweit mehr als 1,4 Millionen Tierarten gehören ca. 90 Prozent zu den Invertebraten. Das sind handgroße Krebse oder fingerlange Libellen ebenso wie mikroskopisch kleine Bärtierchen, Strudel-
würmer und Wasserflöhe. Wirbellose Tiere besiedeln alle Lebensräume unseres Planeten.
Während größere, mit dem bloßen Auge sichtbare Arten (Makrofauna, größer 2 mm) nicht vorhanden sein sollten, gehören mikroskopisch kleine Arten (Mikrofauna, kleiner 0,1 mm) durchaus zur Normalität in Trinkwassersystemen. Die Untersuchung, Bewertung der Vorkommen und die Bestimmung der biologischen Qualität werden von zugelassenen und auf diese Nachweise spezialisierte Labore vorgenommen.
» Spreewald «

Die Umhergetriebenen – Das Plankton
Die Welt der Plankter ist das Freiwasser von Seen und großen Flüssen. Hier lassen sie sich neben Algen, Rädertierchen, Blattfuß- und Ruderfußkrebsen von den Wellen tragen. Es sei denn, sie brauchen Nahrung. Die Tiere dieses Lebensraums (das Zooplankton) können große Mengen Algen und Bakterien vertilgen und sorgen so für eine gute Wasserqualität, z. B. für eine angenehme Optik und ein großes Badevergnügen. Das funktioniert nicht immer reibungslos: entsprechende Analysen und die Auswertung mit dem PhytoLoss-Verfahren können zeigen, ob das Futter (Phytoplankton) schmackhaft und gut verdaulich ist oder ob die Zooplankter allzu massiv von Fischen dezimiert werden.
» Froschkönig «

Die öffentlichen Wasserversorger gaben 2022 insgesamt 153 Millionen
Kubikmeter (m³) Trinkwasser in Berlin und 107,8 Millionen m³ in Brandenburg an Haushalte und Kleingewerbe ab. Die gesamte Wassergewinnung (öffentlich und nicht-öffentlich – z. B. durch eigene Hausbrunnen) lag in Berlin bei 441,2 Millionen m³ und in Brandenburg bei 545,9 Millionen m³.
Anlagen zur Trinkwassergewinnung und -verteilung sind künstliche wasserführende Systeme, in denen die gleichen biologischen Regularien wirken wie in natürlichen Gewässern. Alle Anlagen können von wirbellosen Tieren besiedelt werden. Welche und wie viele dieser Invertebraten sich entwickeln, hängt vor allem von der Art und der Verfügbarkeit der Nahrung ab. Mittlerweile zählt man in Rohrleitungssystemen 15 verschiedene Tiergruppen, die von einem bis mehr als eine Million in einem Rohrleitungsabschnitt mit einem Volumen von einem Kubikmeter vorhanden sein können.
» Spitzmaus «

Wasserfloh (Daphnia cucullata)
Daphnia cucullata ist eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Daphnia-Arten. Sie spielt eine wichtige Rolle im Nahrungsgefüge von Seen als Filtrierer von (Grün)-Algen auf der einen Seite aber auch als Nahrung für Fische und Fischlarven. Daphnia cucullata ist durchschnittlich 1,6 mm groß, hyalin, durchsichtig bis gelblich.
Einige Arten der Gattung Daphnia zeigen deutliche morphologische Veränderungen in aufeinanderfolgenden Generationen (Zyklomorphose). Diese äußert sich vor allem in einer zunehmenden Länge des Kopfes (Helmbildung). Sie beginnen im späten Frühjahr, erreichen im Sommer ihren Höhepunkt und klingen im Herbst allmählich wieder ab.
» Verwandlung «

Blattfußkrebs (Alona)
Der kleine Blattfußkrebs Alona wurde zuerst von dem britischen Zoologen William Baird beschrieben. Der Name kommt möglicherweise aus dem Keltischen, hier steht „Aluine“ für „ausnehmende Schönheit“. Die Tiere sind eher im Uferbereich am Grund oder zwischen Wasserpflanzen zu Hause, wo Nahrungspartikel vom Gewässerboden, Holz oder Pflanzen abgekratzt werden. Alona kann mit dem Rohwasser in die Trinkwasseraufbereitung gelangen und ist quasi Stammgast in Rohrleitungssystemen.
» Stechlinsee «

Die Bodenständigen – Das Benthos
Ihre Lebensräume sind die Strukturen am Grund der Gewässer. Das Benthos nutzt Bodensubstrat, Totholz und Pflanzen als Lebensraum und Nahrungsgrundlage. Die noch mit bloßem Auge erkennbaren Tiere (Makrozoobenthos) sind wichtige Indikatoren für die Qualität eines Gewässers. Sie werden standardmäßig für Fließgewässer und Seen erfasst.
» Abendträumerei «

Die Einwanderer – Die Neozoen
Unter dem Begriff Neozoen werden Tiere bezeichnet, die sich in Gewässern etablieren, in denen sie vorher nicht heimisch waren. Neozoen der Gewässer nutzen meist den Schiffsverkehr und die Schifffahrtswege für ihre Verbrei tung. Eine starke Anpassungsfähigkeit gepaart mit hoher Vermehrungsrate ermöglicht vielen dieser Arten die Ausbildung großer Gemeinschaften in unse ren Gewässern. Es gelang z. B. erstmals die Donau-Schwebegarnele (Limnomysis benedeni) im polnischen Teil des Nationalparks Unteres Odertal nachzuweisen. Aktuell wird die Ausbreitung der Quagga-Muschel (Oreissena rostriformis bugensis) im Land Brandenburg untersucht.